Bericht von den Brighton Speed Trials am 11. September 2004:

 

Die Brighton Speed Trials ist die älteste Motorsportveranstaltung der Welt

und findet bereits seit 1905 statt!

Ursprünglich wurde diese Veranstaltung mit stehenden und fliegenden Starts auf

unterschiedlichen Distanzen von 1 Meile, 1 km, 0,5 Meilen etc. bis zur heutigen 1/4 Meile durchgeführt.

Bei den Speed Trials wird nur die gefahrene Zeit ohne Reaktionszeit gemessen -

es gibt kein Rennen Fahrer gegen Fahrer.

Da es sich um eine nationale englische Veranstaltung handelt ist die Teilnehmerzahl

für Ausländer auf maximal 6 beschränkt - insgesamt sind bei den Motorrädern nur 55 Starter zugelassen.

Ich hatte das Glück und die Ehre als erster Österreicher bei dieser Veranstaltung teilnehmen

zu dürfen.

Der zweite ausländische Teilnehmer war Mick Hüby, Chefredakteur vom deutschen Fighters Magazin

mit seiner Kawasaki Z750 Turbo "NOSfearatu".

Die erste Hürde, die es zu überwinden galt war die Besorgung einer Rennlizenz -

da es in Österreich keine Dragsterrennen gibt gestaltete sich mein Ansuchen nach Ausstellung einer

derartigen Lizenz bei der OSK als schwierig - zuerst wollte ich nach einer Freigabe der OSK eine

englische Rennlizenz bei der ACU lösen, dann war es doch möglich eine österreichische Lizenz zu lösen.

Die Kosten dieser Lizenz belaufen sich auf ca. 150 Euro für eine "one Event" Lizenz & Versicherung!

Das Startgeld betrug ca. 30 GBP - ca. 45 Euro.

Danach musste ich das gültige Reglement besorgen, um mein Rad durch die technische Abnahme

bringen zu können - der grösste Knackpunkt war eine Lärmbeschränkung auf 113 db welche ich

mit meiner Muzzy massiv überschritten hätte.

Daher hat Meister Hafner einen Originalen R1 Endtopf auf die Muzzy Krümmer angepasst -

schaut zwar super aus und ist auch sauleise, kostet aber gewaltig Motorleistung!

Nach Anpassung der Lachgasdüsen auf den leisen Auspuff sind nur 230 PS / 180 Nm am

Hinterrad übergeblieben.

Wir hätten zwar mit ein wenig mehr Zeit noch über 250PS/200Nm rausdrücken können, aber die Zeit

war eben nicht da!

Andere Kleinigkeiten waren Kettenschutz für obere und untere Kettenführung, Lenkeranschlag

mit ausreichendem Abstand zu Tank & Verkleidung, Drahtsicherung für Öl & andere Schrauben,

Notaus für Lachgas, Zündung & Benzinpumpen etc. - weiters wurde die Kleidung und speziell

der Helm geprüft: der Helm muss eine goldene ACU Zertifizierung besitzen - EC 2205 ist

in England ungültig!

Einzig Helme der Fa. Nitro haben diese Zertifizierung und sind in Österreich erhältlich!

Endlich - am Mittwoch um 1:00 Uhr früh läutet der Wecker - nach einem ausgiebigen Frühstück

und einer letzten Überprüfung ob alles eingepackt ist, fahren wir (Sonja & ich) um ca, 3:00 Uhr

los. Erste Pause machen wir gegen 5:00 Uhr in Loosdorf, danach gehts über die Westautobahn,

Passau, Frankfurt, Aachen nach Belgien Richtung Brüssel wo wir im Wohnwagen auf einem

Parkplatz übernachten. Am nächsten morgen nehmen wir ein feines Frühstück zu uns und fahren

weiter Richtung Frankreich Calais, wo wir gegen mittag ankommen.

Die Preise für die Fähre bewegen sich zwischen 260 (Tagtarif) und 140 Euro (Nachttarif) - wir entschliessen

uns für den Nachttarif und können daher erst ab 21:30 abfahren!

Normalerweise habe ich nichts übrig für Besichtigung von Sehenswürdigkeiten, aber Calais ist eine

aussergewöhnlich hübsche Stadt und wir haben Glück mit dem Wetter!

Strahlend blauer Himmel, warme Temperaturen und angenehmer Wind.

Durch Zufall entdecken wir den Sandstrand von Calais der ca. 500m breit, 10 - 15 km lang,

menschenleer und wunderschön ist!

Wir verbringen den restlichen nachmittag am Sandstrand und nehmen am Abend einen feinen

Imbiss in einer Patisserie zu uns.

Die Überfahrt mit der Fähre dauert ca. 1,5 Stunden - danach fahren wir weiter Richtung Brighton.

Leider gibt es dorthin keine Autobahn, wir fahren daher auf schmalen Landstrassen und behindern mit

dem Wohnwagengespann massiv den zügigen Strassenverkehr in England.

Ausserdem regnet es in Strömen!

Gegen Mitternacht parken wir auf einem Parkplatz um zu übernachten.

Nach wenigen Stunden Schlaf fahren wir weiter Richtung Brighton.

In Brighton verpassen wir zuerst die Abfahrt zum Madeira Drive und irren durch die Stadt -

nach ca. 1,5 Stunden parken wir uns irgendwo ein und suchen ein Lokal um ein Frühstück zu uns zu nehmen.

Die Preise in England sind enorm: zwei Kaffee & zwei Rosinenschnecken kosten in einem Selfservice

Lokal 6 Pfund - ca. 9 Euro! Trotzdem geniessen wir das Frühstück und bummeln anschliessend am Meer entlang.

Weiter gehts zum Madeira Drive, der Strandpromenade und Rennstrecke für morgen.

Die Vorbereitungen der Veranstalter laufen auf vollen Touren und wir haben Gelegenheit die legendäre

Strandpromenade noch menschenleer zu besichtigen.

Zufällig treffen wir drei deutsche Harleytreiber, die den legendären ACE Day erleben wollen.

Früher prügelten sich Rocker, Popper und Mods, mittlerweile treffen sich ca. 70.000

Motorradfahrer friedlich in London, um dann im Konvoi nach Brighton zu fahren!

Es entwickelt sich ein angenehmes Gespräch und ich bestaune ein 20 Liter Bierfass, dass nach Aktivierung

ohne Strom mit irgendwelchen chemischen Reaktionen das Bier kühlt - diese Reaktion ist aber nicht zu stoppen -

daher werden wir freundlicherweise eingeladen, das Fass mit auszutrinken bevor es warm wird!

Da ich noch ein paar Dosen Red Bull im Kühlschrank habe, mischen wir das mit einer kleinen Flasche

Jägermeister und beschliessen noch ein paar Getränke und eine Pizza in Brighton zu uns zu nehmen.

Die Jungs sind extrem sympatisch was ich mir ursprünglich nie gedacht hätte!

Sie fahren alte Shovelheads und scheissen auf Evo´s und alles was danach von Harley auf den Markt gebracht

wurde - ausserdem scheissen Sie auch auf die Hog Chapters, also die Mitglieder der Harley Owners zu denen

automatsch jeder gehört, der sich irgendwo eine neue Harley kauft - Ihnen sind auch die technischen

Mängel Ihrer Räder voll bewusst - da wir jeder auf unsere Weise extreme Individualisten sind, hatten wir

jede Menge Spass! Speziell, als ausgerechnet in "unserer" Pizzeria zwei Fuzzys vom Vienna Hog Chapter

mit Ihren Mädchen aufkreuzen!

Naja - nach einem Lokalwechsel wackeln wir dann "leicht" angeheitert Richtung Madeira Drive um ein paar

Stunden zu schlafen.

Gegen 6:00 Uhr werfe ich die Kaffeemaschine an und suche ein schönes Plätzchen im Fahrerlager.

Ein paar Teilnehmer haben ebenfalls in Brighton übernachtet und sich im Fahrerlager eingeparkt.

Wir werden zuerst von Bruce und dann von Juan vom VMCC sehr herzlich begrüsst - die beiden nehmen sich

ausgiebig Zeit um mir den Ablauf der Veranstaltung genau zu erklären.

Anschliessend trifft auch Mick Hüby mit Seiner legendären NOSfearatu samt Fotografin Sabine ein.

Wir begrüssen uns herzlich und bereiten uns auf die Anmeldung und technische Abnahme vor.

Mick hat ein Filmteam organisiert - er gibt professionelle und ausführliche Interviews -

auch ich gebe dem Filmteam ein Interview - leider bin ich etwas nervös da ich noch nie zuvor ein

Interview gegeben hatte - ich blödle daher ein bisschen herum und fürchte dass mein Interview nicht

sendefähig ist und daher dem Schneidtisch zum Opfer fallen wird!

Obwohl 55 Motorräder und ca. 200 Autos und deren Fahrer durch die Anmeldung und Abnahme durchmüssen,

entsteht weder Stress noch Hektik - die Veranstalter sind überaus freundlich - dass alles rund um

Motorsport hier Religion ist und anscheinend jedem Engländer in die Wiege gelegt wird ist deutlich zu spüren!

Meine sorgfältigen Vorbereitungen erweisen sich bei der Abnahme als nicht übertrieben - sorgfältig werden

die Motorräder geprüft und speziell bei der Lärmmessung gibt es keine Gnade!

Ursprünglich hatte ich mir gute Chancen ausgerechnet bei den schnellsten 6 im Finale mitfahren zu können.

Bei den Ergebnislisten vom Vorjahr waren nur 3 Starter unter 10 Sekunden!

Leider ist das Niveau heuer massiv gestiegen - einige Superstreetbikes, die teilweise auf Dragsterstrecken

unter 9 Sekunden fahren, sind am Start.

Da die Strecke hier am Madeira Drive aber relativ schlechten Grip und einige Bodenwellen hat rechne ich mir

trotzdem Chancen aus - die Fahrt zum Start ist kaum beschreibbar: links und rechts begeisterte Menschenmassen,

auf der "Terasse" und oben auf der Hauptstrasse stehen tausende begeisterte Zuschauer und ich bin mittendrin

im Schritttempo minutenlang Richtung Start unterwegs.

Ich kann kaum begreifen was hier rund um mich passiert ...

Kurz vor dem Start aktiviere und entlüfte ich mein Lachgassystem - weisse Lachgaswolken steigen unter dem Tank

auf - der Burnout dauert etwas länger als geplant - blauer Rauch und beissender Gummigestank umnebeln die

Startzone - wie im Traum stehe ich am Start und warte darauf, dass die Startanlage von rot auf grün umschaltet.

Endlich schaltet die Ampel auf grün - ich gebe Vollgas und spüre wie das Lachgas in den Motor gesaugt wird -

alles funktioniert perfekt - die Beschleunigung ist abartig - kurz vor dem Ziel habe ich den fünften Gang fast

ausgedreht - dass muss eine Wahnsinnszeit werden!

Nach der Zieldurchfahrt ist die Bremszone ca. 1km lang - wegen der argen Bodenwellen schlägt die Verkleidung

beim Bremsen von ca. 230 km/h voll auf den Kotflügel und der streift voll den Reifen - das Geräusch geht durch

Mark und Bein - ich gehe von der Bremse und fliege Richtung Strassensperre - wieder bremsen, wieder schlägt

der Kotflügel voll auf den Vorderreifen - zum Glück wird die Strasse besser und ich kann rechtzeitig vor der

Strassensperre anhalten!

Trotz leichter Traktionsprobleme ist meine erste Zeit von 10,19 Sekunden bei 145 mph = 232 km/h nicht schlecht!

Der Vorjahressieger Roger Simmons ist nur ein paar Hunderstel schneller als ich!

Mick hat im Trubel vergessen, die NOS Anlage zu aktivieren und fährt knapp über 11 Sekunden ohne Lachgas.

Einige Superstreetbikes haben aber bereits die 10 Sekunden Marke unterschritten!

Für den zweiten Lauf montiere ich eine frisch gefüllte Lachgasflasche - leider beginnt der Motor etwas

zu bröseln - ich habe trotzdem ein gutes Gefühl bei dem Lauf und fahre im 6ten Gang durchs Ziel - leider hat sich

meine Zeit aber auf 10,43 Sekunden verschlechtert!

Mick hat grössere Probleme: das Batteriekabel hat sich gelöst und er fällt aus!

Beim dritten Lauf habe ich zwar wieder ein gutes Gefühl und fahre im 6ten Gang durchs Ziel, meine Zeit hat sich

aber auf 10,65 Sekunden weiter verschlechtert!

Bei der Geschwindigkeitsmessung ist mir dann auch klar warum: 142 mph bedeuten 227 km/h - ich bin also

mit maximal 8000 U/min im 6ten Gang durchs Ziel gefahren, hatte aber vom Gefühl her vollen Schub!

Wegen dem fehlenden Auspuffgeräusch habe ich nach Gefühl geschaltet und weder auf den Drehzahlmesser noch

auf den Schaltblitz geachtet - mein Fehler!

Da das Lachgassystem besser funktioniert als je zuvor habe ich viel zu früh in den nächsten Gang geschaltet weil ich

vom Gefühl der Beschleunigung jetzt schon viel mehr Leistung bei geringeren Drehzahlen zur Verfügung habe!

Mick hat Seinen ersten erfolgreichen Lauf mit Lachgas und kommt auf 10,44 Sekunden - das reicht in Seiner Klasse

heuer nur für den zweiten Platz!

Schweren Herzens muss er den Wanderpokal dem neuen Favoriten übergeben, schwört aber Ihn sich zum

100 Jahr Jubiläum der Brighton Speed Trials zurückzuholen!

Die Sensation des Tages liefert die rote Turbo/NOS Suzuki Katana von Big CC Racing: neuer Streckenrekord mit

8,87 Sekunden und 178 mph (285 km/h)!

Juan vom VMCC hat mir und Mick zugesagt beim 100 Jahr Jubiläum starten zu dürfen!

Vielen Dank Mick - wenn Du für mich kein gutes Wort beim Veranstalter eingelegt hättest, hätte ich hier

wahrscheinlich nicht starten dürfen und hätte dieses Erlebnis nie gehabt!

Natürlich habe ich auch ein paar Bilder für Euch - 

Brighton - see you 2005 ...

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einige Bilder von Sabine Welte (Copyright): http://www.sabine-welte.de

 

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